"LEBENSFLUSS" - Multimediales Projekt in der Klosterkirche Grimma
Bilder - Objekte - Kranichinvasion - Videoprojektion - Musik - Tanz

Künstlergruppe 'artentfaltung' - Christl Maria Göthner & Stephan König
Tanz: Karen Schönemann, Film: "change the game"Ausstellung: 26. Juni - 24. Juli 2005
Eröffnungs-Konzert: 25. Juni 2005: LeipJAZZig-Orkester "Von Barock bis Rock"
Gäste: Chöre der Grimmaer Gymnasien, Leitung: Stephan König
Veranstalter: Kulturamt Grimma www.grimma.de
Unterstützt durch Fa. Televis, Grimma www.televis.de


Klosterkirche Grimma

Lebensfluss
Christl Maria Göthner und Stephan König entfalten mit ihrem multimedialen Projekt Lebensfluss in der Halle der Klosterkirche Grimma ein Feuerwerk verschiedenster Eindrücke. Kaskadenhaft fallen 21.000 farbige Kraniche, altes japanisches Lebenssymbol und Signet von artentfaltung, gefaltet im Soziokulturellen Zentrum Delitzsch, vom Kirchenhimmel, begleitet von bemalten Stoffbahnen. An den Wänden entlang die neueren Bilder der Malerin. Zur Eröffnung spielte das LeipJAZZig-Orkester Stephan Königs. Davor zeigte Karen Schönemann zur Musik Stephan Königs eine gewagte Tanzperfomances und das 40 minütige Videoprojekt change the game hatte seine Uraufführung.
Change the game, gemeinsame Arbeit Christl Maria Göthners und Stephan Königs ist eine eigenwillige Collage verschiedenster Kunstformen, die inhaltlich im Gang durch einen Tunnel ihre Mitte findet. Eine Durchgangszone, die zu bewältigen ist und wie das Grundmotiv einer Musik das Ganze strukturierend variiert wiederkehrt. Von hier aus öffnet die Durchgehende immer neue Türen, hinter denen sich die einzelnen Geschichten/Abschnitte/Lebensräume wie SYNAPSE, WEHR, AIR auftun. Aufforderung das Leben anzunehmen, es zu ändern, den täglichen Alltag neu zu sehen, ihn aufzubrechen, frei zu werden den Himmel zu erfahren, die Landschaft, sich selbst. Die Musik Stephan Königs findet zur virtuell sich verwandelnden Malerei Christl Maria Göthners, beide werden einander verschränkt wie voneinander getrennt. Musik-Ton-Assoziationen werden abstrakte sich bewegende Bildmuster und wunderbar poetische Aufnahmen einer unter Schnee wartenden Natur fesseln den Blick, wobei der Komponist ein erstaunliches Talent für Foto und Kamera beweist und überhaupt das virtuelle Spiel mit dem Computer sicher handhabt. Eine hochkonzentrierte Arbeit, in der sehr leise mit lauten Tönen wechseln, in der Texte aus Die Überfliegerin und Milliarden neuer Sterne von Angela Krauß als Bänder durchs Bild laufen, einige noch extra eingesprochen von Ellen Hellwig, Karen Schönemanns tanzende Füße in den Raum springen, ihr bewegter Körper folgt, um als serielles Raster wieder fortzurücken. Stadt und freier Raum, Straßen und Natur, mal heiter und übermütig, dann wieder poetisch nachdenklich zur Ruhe gebracht, change the game, ändere das Spiel, beginne neu, finde den Mut.
In ihrer Malerei hat Christl Maria Göthner den Mut längst gefunden. Die Bilder der letzten Jahre sind freier geworden, luftiger, haben die Schwere der Ölfarben erst einmal zurücktreten lassen zugunsten eines gestischen Ausdrucks, den die Künstlerin in skizzeähnlichen Arbeiten festschreibt. Wie Szenen eines Tagebuchs, aus der Erinnerung, Körpererinnerung heraus geschrieben, eher flüchtig und assoziativ. Nichts muss bis zuletzt ausgeführt werden, der Mal-Grund behält seinen Freiraum für jegliche Phantasie. Manisches Arbeiten, manchmal wie getrieben etwas loszuwerden, aus Furcht, es würde sonst verlorengehen oder die inneren Speicher überlasten. Duftig irritierende Ausdruckswerte entstehen, spontan herausgeschleudert. Häufig hinterfragt durch aufgesprühte Muster, collageähnliche Details, die verfremden, den Blick stoppen lassen, Übermut und Freude in maßvolle Formen zu leiten, aber auch spielerische Zutat sind. Die Sehnsüchte der Malerin greifen noch weiter, lassen sie bis ins Universum gleiten, scheinbare Ortlosigkeit, durch die Seerosen und unlesbare Botschaften treiben. Die Malerei scheint dabei selbst schwerelos geworden. "Schaffe in mir Gott", Psalmtext aus dem Alten Testament, deutlich eingeschrieben einem Bild, spricht den großen Bogen direkt an, den die Künstlerin im Auge hat.
Ein mutiges Vorhaben der beiden Art-Entfalter, das die Niederungen nicht scheut, um die Höhen zu erreichen, eine Herausforderung allemal im heute oft allzu seichten Getümmel gängiger ästhetischer Draperien.

Ina Gille